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Montag, 25. Februar 2013

Namenlos

Die Sohlen meiner Leoparden-Schuhe zerstäuben den nicht mehr ganz frischen Schnee, der in leichtem beige auf dem Kopfsteinpflaster liegt. Die Spinnen verkriechen sich in den Ärmeln meiner blauen Jacke, als wären sie Nester. Blassgrauer Himmel mit schwarzen Ästen, die sich wie Arme in meine Sicht schieben.
Mein Zahnfleisch fängt an, zu bluten.
Es lässt tiefrote Perlen auf die Schlange tropfen, die ausnahmsweise leblos in ihrer Höhle aus Zähnen liegt.
Ich lasse das Licht über die Straße gleiten, das schwach aus den Fenstern scheint.
Blassgraue Schatten mit schwarzen Umrissen, die sich durch die Sicht schieben.
Der Gedanke an noch einen Tag & noch eine Nacht lässt das Licht verschwimmen. Der Gedanke an die letzten Tage & Nächte ist, wie die Musik aus meinen Kopfhörern.
Ich höre auf, die Tage voneinander zu unterscheiden.
Ich höre auf, etwas zu wollen - irgendwas zu wollen.
Und heute ist so ein Tag an dem ich fast schon aufhöre zu sein.
Was ist in einer Sekunde, einer Minute, einer Stunde?
Ich stehe auf dem dunkelgrauen Bahngleis.
Was ist dieser eine Schritt?
Und die Neugier mischt sich mit Selbsthass & das Ergebnis wächst stetig drastisch, denn zwei Faktoren sind schließlich immer mehr, als die Summe beider.
Was sind 30 cm?
Die Reste von Streusteinchen knirschen unter den Plateau Sohlen.
Als die Augen aus leuchtendem Glas fast schon die Schatten unter den Fenstern sehen können und ich diese schließe, gehe ich den Schritt.
Wieder knirschen.
Dann öffne ich.
Erst die Fenster, dann die Türen.
Und steige ein, wie jeden Morgen. Lasse geschehen, wie jeden Morgen. Höre das gleiche Lied, wie jeden Morgen.
Ich bin, was ich gestern war.
Was war ich gestern?

Jeder Tag ist ein anderer und gleicht Vorigen trotzdem bis ins kleinste Detail.
Nur die Details sind jedes mal andere.

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