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Montag, 29. Oktober 2012

Weil ich Freitage hasse.

Freitag Nacht. Bin mit Henri verabredet und treffe Luis auf dem weg. Läuft einfach so auf mich zu. Ich starre ihn an, wie ich jeden vorbeigehenden anstarre und merke erst viel zu spät, dass ich ihn kenne und auch er mich erkannt hat.
"Hey, Alice!"
"Hi."
"was machst du hier??"
"Treff mich mit Henri, du?"
"Ich wollte nur gucken, ob irgendwer noch aufm Kreutzer ist..."
"Keiner mehr da, ich komme von dort."
"Hm, dann komm ich mit zu Henri."

Einfach so. Ohne zu fragen, ohne auf meine kurzen Antworten zu reagieren. Ich fühle mich bedrängt, wie schonmal in seiner Nähe. Letzten Sommer, die Erinnerung schießt hervor; Himbeereis Blaue Mützen, Piece. Hände      auf        meinen           Beinen.        Panik.

Henri sieht schlimm aus. Mehr als das, er ist ne wandelnde Leiche. Eingefallenes Gesicht, leere Augen, Ne Flasche Vodka in der einen Jackentasche, in der anderen ne Red Bull. Seit fünf Wochen war er nicht mehr nüchtern, erzählt er. Sein Therapeut hat ihm verboten zur Schule zu gehen. Er benutzt das Wort verboten. Auf die Frage, warum, sagt er nur "Zu gefährlich". Darauf folgt ein netter Vortrag meinerseits, dass doch schule nicht schaden kann, wenn er doch gerne will usw.
"Nein, nein.... Für die Kinder in meiner Schule."

Es wird später am Abend Henris Draufheitsgrad (kann man sowas sagen?) steigt zunehmend. Ich will nach Hause fahren, schlafen, für immer und Ewig. Die ganze Scheißwelt vergessen und nie wieder aufwachen.
Dann ist da wieder Luis, wieder seine Stimme, wieder sein Drängen. Komm doch noch mit zu mir, komm schon Alice, nur noch n Film gucken oder so, wär doch nett. Warum denn nicht, ist doch nur ein Film.
Und ich sage nicht Nein, ich sage nie Nein.
Dann wieder seine Knie, die wie zufällig gegen meine, die völlig verkrampft auf seiner Sofakante hocken stoßen. Wieder seine Stimme die im Schlafzimmerton sagt, dass ich es mir ruhig gemütlich machen kann. Ich reagiere nicht, ich reagiere nie.

Nach 20 Minuten verlasse ich fluchtartig die Wohnung. Der Taxifahrer guckt immer wieder besorgt auf den Beifahrersitz, auf dem ich mich zusammengekauert krümme. Eine Träne läuft meine Wange herunter.
Es ist nur eine, aber ich wische sie nicht weg. Ich wische sie nie weg.










In Liebe,
         Alice.

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