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Mittwoch, 4. Juli 2012

Die Wolken vor meinem Fenster tanzen, als seien sie fröhlich, froh. Ja, als seien sie glücklich. Ich bin es nicht. Ich stehe drinnen vor millimeter dünnem Glas, das mich von ihnen trennt, und sehe sie an. Will schreien, willsie anschreien, sie sollen aufhören. 
Die Sonne scheint. 
Und jedes einzelne Geräusch, dass von draußen an meine Ohren dringt, scheint unwirklich. Wird von Gedanken übertönt. Ob es meine sind? In meinem Kopf hallt jedes deiner Worte wieder. Süßer als Zucker. Erinnerungen in den buntesten Farben. Türkis, Hellblau, Rosa, Violett. Wie Vögel aus Papier. Kreisend um die Realität. Nicht greifbar für mich, nicht vorstellbar für dich. 
Und die Sonne scheint.
Sie grinst mich an, lacht. Fast so schön wie Du. Damals. Allein die Erinnerung hält mich am Leben. Oder bin ich nur noch Erinnerung an das Leben, das einst in mir steckte? Ich stehe da und denke immer noch an dich & was du warst. Was du warst.
Und die Sonne scheint.
Sie lacht und lacht. Und lacht mich aus. Zu sagen,du wärst weg, wäre einfach. Die Wirklichkeit drastischer. Kalt bist du, tot, nur noch ein Schatten deiner selbst, verloren in der zerschundenen Hülle, die du mehr verabscheust, als sie glauben. Kalt bist du, tot, aber du merkst es nicht. Merkst nicht, wie du dich mehr und mehr von dir entfernst.
Und die Sonne scheint.
Und sie hilft mir, mich an deine Worte zu erinnern. Jedes einzelne malt Bilder auf meine Netzhaut, Versprechungen, die du nie gehalten hast. Warst dir nicht im klaren darüber, welche last deine Hinterlassenschaft sein wird. Denn du kennst sie nicht. Du kennst sie nicht, obwohl du es solltest und es gibt so vieles, was du solltest, aber nicht tust, denn du hast schon immer nur das getan, was dir gefällt.
Und die Sonne scheint.
Und am liebsten würde ich dir das vorlesen. Einerseits um sicherzugehen, das du auch jedes meiner Worte hörst, andererseits um den Zeilen eine Stimme zu geben. Sie spricht mit intensität. Ja, am liebsten würde ich mich vor dich stellen und dich anschreien. Dir all das ungesagte ins Gesicht schreien mit all der abfälligkeit, die jetzt aus meinen Fingern aufs Papier fließt. Am liebsten würde ich die Worte vor dich auf den Boden spucken. Sie auskotzen mit all dem Hass, der in meinem Magen kocht, obwohl ich für dich noch immer nur Liebe empfinde.
Und die Sonne scheint.
Doch das einzige was ich tue ist, in ein Blumengeschäft zu gehen. Es ist nicht wichtig, wo und es ist nicht wichtig, ob du es vielleicht kennst. 
Und ich kaufe dir eine Blume. Keine Rose, keine Tulpe, eine Lilie.
Weiße Lilie, Begräbnisblume. Doch auch diese brauchen Licht.
Und die Sonne scheint.

Morgen wird Luke aus der Haustür kommen. Vielleicht geht er was zu trinken kaufen, vielleicht trifft er sich mit Lea. Er wird über die weiße Lilie stolpern, die ich morgens vor seine Tür gelegt habe und er wird den Umschlag finden, in dem der Text steckt. Es wird kein absender drauf sein, aber vielleicht weiß er trotzdem, von wem er kommt.



In Liebe,
        Alice.

1 Kommentar:

  1. Es ist mein Bett, ja. es ist nicht ganz so gemütlich wie es ausschaut, aber dennoch sehr schön.
    Und es tut mir leid, dass ich mich nicht so verhalte, wie man es als höflicher, netter Mensch tun sollte.

    xx

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